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Lehrer Lernen Migration

Zwischen Bricolage und Maßwerk

 „Unser Ziel ist es, geflüchteten Kindern und Jugendlichen einen schnellen Zugang zu Bildung und Betreuung zu schaffen. … Die Versorgung mit Vorbereitungsklassen … gestalten wir bedarfsdeckend und werden die Lehrkräfte entsprechend qualifizieren. Ziel bleibt ein zügiger Übergang in die Regelklassen. Die Koalition legt auf die Vermittlung von und Identifikation mit unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung wert.“

(Koalitionsvertrag der grün-schwarzen Landesregierung in Baden-Württemberg ; 2016, 31)
Es gibt immer wieder überraschende Lebenssituationen, die spontane Reparaturversuche erfordern. Man öffnet den mehr oder weniger gut ausgestatteten Werkzeugkasten und überlegt, was von den vorhandenen  Dingen, vorläufig helfen könnte. Und siehe da: Erfreulich oft ermöglicht solch eine Bastelei (Bricolage), dass man zumindest vorerst weitermachen kann. Den Regelschulen geht es mit der aktuell hohen Zahl von Flüchtlingskindern vermutlich ganz ähnlich.

Damit in diesen Bemühungen bisherige Überlegungen und Erfahrungen nicht übersehen werden, ist der Sammelband „Lehrer – Lernen – Migration: Außen- und Innenperspektiven einer interkulturellen Lehrerbildung“ (2012!) eine Fundgrube.

Im Dialog von Hochschule, Seminar und Schulpraxis wird aus drei Perspektiven beleuchtet, wie unsere Schulen, Hochschulen und Bildungspolitik angemessen auf die aktuellen Herausforderungen reagieren können.

Aus Sicht der Staatlichen Seminare für Didaktik und Lehrerbildung ist vor allem das zweite Kapitel: „Lerngelegenheiten“ (117 – 174) von Bedeutung.

Exemplarisch skizziere ich den Beitrag von Helga Widmann, (ehemalige) Seminarschulrätin am SSDL in Reutlingen. Im Artikel „Kulturelle Vielfalt in Schule und Unterricht“ (147 – 162) stellt sie vier schulpraktische Bausteine vor, die sie mit Referendarinnen und Referendaren im Zusatzangebot „Interkulturelle Kompetenz“  - ein 18 Stunden umfassendes Modul – in den Jahren 2007 – 2012 entwickelt hat:

  • Es geht um Biografiearbeit, die Stärkung des Individuums in der Unterschiedlichkeit seiner Herkunft.
  • Ebenso gilt es, die interkulturellen Perspektiven in fachspezifischen Inhalten aufzuspüren, zum Beispiel in religiösen Lernprozessen wie dem Gebet oder der Frage nach Wahrheit.
  • Unverzichtbar im Rahmen der gemeinsamen Bildung ist drittens die deutsche Sprache als Unterrichtsprinzip.
  • Und schließlich kann Schule als Lebens- und Lernraum mit kultureller Vielfalt gezielt entwickelt werden.

Auch mit solch einem Modul zur interkulturellen Kompetenz in der zweiten Ausbildungsphase wird kein „Maßwerk“ zum Umgang mit Flüchtlingskindern an den Regelschule entstehen, aber im Werkzeugkasten findet sich ziemlich sicher mehr Brauchbares, um auf ständig wechselnde Herausforderungen wenigstens einigermaßen angemessen reagieren zu können.

 M. Schnitzler

 Bezugspunkt zu den Ausbildungsstandards in Pädagogik (2016):

„Die Anwärterinnen und Anwärter können die Vielfalt von Identitäten wahrnehmen und anerkennen und auf dieser Grundlage identitätsstiftende Lernprozesse initiieren.“ (soziale und kulturelle Diversität)



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